• geboren am 28.01.1945 in 84518 Garching/Alz - Bayern
  • Hum. Gymnasium St. Michael (Benediktinerabtei) in Metten/Donau und Domgymnasium Freising
  • Ing. grad. Hochbau 1970 an der FH Nürnberg (statt Praktikum: Maurerlehre mit Gesellenbrief)
  • Arch. Zulassung Nr.  104280 Bay. Architektenkammer
  • Dipl.-Ing. für Architektur und Stadtbau 1972 an der Technischen Universität Berlin (FB 8)
    Bereits bei Prof. Frank an der FH - Nürnberg Feststellung eines ausgeprägten Kunstgespürs  und Erkenntnis der organisationären Forschungsfähigkeit (Prüfungsnote 1). Weitere   Schulung der Forschungsfähigkeit bei (verst.) Prof. Dr.Dr. Hans Reuther an der T.U. Berlin  (Prüfungsnote 1).
  • Dr. Ing. an der TU Berlin 1988
  • Dissertation: Beginn 1976 bei (verst.) Prof. Dr. Dr. Hans Reuther, mündl. Prüfung 19. 12. 1988. 
    Titel: "Donato Polli (1663 - 1738) - ein Tessiner  Stukkator in  Nürnberg". Veröffentlichung als komprimierte Fassung durch die Gemeinde Muzzano/Lugano.
  • Februar 1995 Aufnahme der Diss. in die Kunstabteilung der Bibloteca Apostolica Vaticana. 
    Aus Kostengründen Abgabe der Dissertation als Mikrofish. Veröffentlichung als   komprimierte Fassung durch die Gemeinde Muzzano/Lugano: "Donato Polli (1663 - 1738).  Uno stuccatore ticinese  a Norimberga". Edizione Comune di Muzzano 1991;
  • Mitglied des Heimatvereins Burghausen

 

Die Neigung zur Kunst wurde mir bereits durch das Elternhaus mit auf den Weg gegeben. Meine Eltern hatten beide das Abitur, mein Vater war als Dr. med. praktischer Arzt mit einer der größten Landpraxen in Oberbayern, meine Mutter blieb durch die Wirren der Studienmöglichkeiten gleich nach Ende des Krieges Hausfrau. Sie waren beide sehr kunstinteressiert, mein Bruder und ich lernten auf Besichtigungsfahrten weite Teile Ober- und Niederbayerns kennen. Dadurch wurde auch mein Wunschberuf "Architekt" geweckt. Einen wesentlichen, wenn auch unbewußten Beitrag lieferte zudem der Kreisheimatpfleger und spätere Landrat des Landkreises Altötting Hans Schimmelbauer. Seine heimatkundlichen Wanderungen waren für uns Kinder ja so spannend, seine Ausdrucksweise heimatgebunden, genau und von einer ungeheuren sprachlichen Vielfalt.
Einen sehr nachhaltigen Einfluß übte am Gymnasium in der Benediktinerabtei Metten der dortige Kunsterzieher Prof. Rauch auf mich aus. Er verstand es, uns an unseren eigenen Arbeiten den Bildaufbau, die Farbkombination und die Gestaltungsmöglichkeiten zu erklären. In der Kunsterziehung führte er uns mit unheimlichem Gespür in die Stilkunde ein. Nie werde ich seine Vorträge über Picasso, die "Brücke" und den "Blauen Reiter" vergessen. Er sprengte die klösterliche Barockideologie und öffnete uns auch den Weg in "die Moderne". Viel Freude und die nötige Präzision in mein "Kunstgefühl" brachte die Mitwirkung im Mettener Schulchor (bis 60 Sänger) unter Pater Walter Ringelstetter OSB. Er selbst war ein Richterschüler, mußte aber sein Können und vermutlich auch seine Orgelspiel-Lust dem Konvent unterordnen. Auch konnte er seinen Hang zu Bach nie ganz überwinden - was mußten wir kämpfen, um im Musikunterricht Platten von Louis Armstrong oder die Gospels von Mahalla Jackson analysiert zu bekommen.

Ein weiterer, wesentlicher Teil meiner Persönlichkeit wurde auch durch meinen Vater geprägt: die geistliche Beweglichkeit, die Lust am Arbeiten an und mit der Öffentlichkeit. Mein Vater war etwa ab 1948 fast 30 Jahre lang Chefarzt beim Bay. Roten Kreuz im Landkreis Altötting. Gerade die ersten 10 Jahre der Aufbauphase waren gekennzeichnet durch vielfältige Gespräche, Treffen, Ausbildungsabende. Damit wurde ich an den Umgang mit Industriedirektoren, führenden Persönlichkeiten und den Kontakt mit "Hohen Tieren" gewöhnt. Ich verlor bereits als Kind jede Scheu. Das hatte zur Folge, daá ich mich auch der Öffentlichkeit stellte. Jahrelang war ich Klaßsprecher, als Student an der Ingenieurschule natürlich Semestersprecher und immer Mitglied im Studentenparlament. Während der Streiksemester der Ingenieurschulen (nicht zu verwechseln mit den Studentenunruhen an den Hochschulen) trug ich mein Schärflein zum Gelingen unseres Kampfes bei. (Die kurzfristige Folge damals war die Einführung des "ing. grad" und damit verbunden die Eintrittsmöglichkeit in die oberen Semester der Universitäten, die Ingenieurprüfung wurde als Vordiplom gewertet. Langfristig mußte die Umwandlung der Ingenieurschulen in Fachhochschulen erfolgen, damit war der Umbau des gesamten zweiten Bildungsweges vorgegeben). Als Mitglied der Burschenschaft Bavaria zu Nürnberg gelang es mir damals durch blitzartige Organisationsmaánahmen das Studentenparlament der Ingenieurschule Nürnberg mit 60% farbentragender Studenten zu belegen. Damit konnten Unruhetendenzen blockiert werden, der hervorragend arbeitende ASTA konnte nicht gekippt werden und die "Alten Herren" in der Industrie waren in der Lage, auf den harten und nicht zu brechenden Widerstandswillen der Studenten zu verweisen. Gleichzeitig übernahmen wir Farbenstudenten den Ordnungsdienst bei Demonstrationen. Als am SPD - Parteitag in Nürnberg etwa 5000 Studenten die Meistersingerhalle samt SPD regelrecht abriegelten, konnten die Polizeikräfte in den Bereitstellungsräumen verbleiben, es gab keinerlei Zwischenfälle. Damals war ich bei der Verhandlungsdelegation, die fast eine Stunde lang u.a. Herrn Wischnewski und Bahr die Situation der Ingenieurstudenten darlegte. Dieses Gespräch bewirkte ein deutliches Umschwenken der SPD auch auf der Bundesebene.


Wie kam ich im Endeffekt aber zur Kunstgeschichte ?
Bereits während meines Studiums in Nürnberg stellte sich im Fach "Architekturgeschichte" heraus, daß sich meine recht umfassende Vorbildung in der "Kunst" und eine intensive Ausdrucksschulung im Deutschunterricht am Gymnasium in Metten auswirkten. Mit der Semesterarbeit "Vergleich der Raumidee im gotischen und barocken Kirchenbau in Bayern" konnte ich als erster nach 15 (!) Jahren bei Prof. Frank die Note 1 erhalten. Dies spornte natürlich an und ich trug mich mit dem Gedanken, einmal seine Nachfolge anzutreten zu versuchen - habe es aber später aus beruflichen Gründen nicht angegangen. Dank unseres Streikerfolges konnte ich nach knapp zweijähriger beruflicher Tätigkeit in einem der renomiertesten Nürnberger Architekturbüros als einer der ersten der ehemaligen Ingenieurschulstudenten in die Oberstufe der Technischen Universität Berlin eintreten. Als ich dort bei Prof. Dr.Dr. Hans Reuther, meinem späteren Doktorvater, das v.e. Thema wesentlich vertieft wieder bearbeitete, ergab sich eine ähnliche Überraschung - auch er hatte fast 20 Jahre kein "sehr gut" erteilt - ich erhielt es wieder.

Das Ende des Studiums in Berlin war auch zugleich das vorläufige Ende der nun schon ziemlich geliebten Kunstgeschichte. Der Beruf hatte Vorrang.

Nach einer halbjährigen Episode in München landete ich wieder in Franken, zuerst bei meinem früheren Büro Löbermann, dann als Leiter des Planungsamtes und Stellvertreter des Stadtbaumeisters in Herzogenaurach. Dort verbrachte ich herrliche Jahre. Jörg und Alexandra, noch in Nürnberg geboren, wuchsen heran, das Arbeitsklima im Rathaus war ideal, der Bürgermeister unheimlich aktiv und motivierend, ich selbst unter der Bevölkerung beliebt und bekannt wie ein "bunter Hund". Meine Einstellung, "der Staat und die Verwaltung seien für den Bürger da" fand seine praktische Anwendung. Ein engagiertes Arbeiten, intensive Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und speziell mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalspflege, gute Argumentationen in den Ausschuß- und Stadtratsitzungen ermöglichte es, fast alle Bitten und Wünsche der Bürger im Planungs- und Baubereich mit den gesetzlichen Vorschriften und Richtlinien - wenn auch manchmal mit Reibungsgeräuschen - unter einen Hut zu bringen.
Übrigens betreute ich damals auch den Umweltschutz, das Wort "Umweltverträglichkeitsprüfung" war uns noch ein Fremdwort, aber durchgeführt haben wir sie sinngemäß schon damals. Nie wurde von der Regierung in Mittelfranken ein Bebauungsplan abgelehnt.

Während dieser Zeit wurde das in städtischem Besitz befindliche Schloß Herzogenaurach saniert. In den Räumen dieses Baues von Johann Dientzenhofer befinden sich sehr gute barocke Stuckdecken, als deren Schöpfer ich den aus der Nähe von Lugano stammenden Tessiner Stukkator Donato Polli vermutete. Um den Nachweis zu erbringen, begann ich eine umfangreiche Materialsammlung - Polli war's nicht, aber die Unterlagen waren der Startschuß für meine Dissertation - 10 Jahre währte es noch bis zur Abgabe.
Nach fast 15 Jahren Aufenthalt in Franken, unterbrochen vom Studium in Berlin, verließ ich mit dem Hochgefühl "du kannst es ja" Herzogenaurach um wieder im heimatlichen Gebiet - meine Frau stammt zudem aus Altötting - Fuß zu fassen. Ich nahm die Stelle als Leiter des Hochbauamtes bei der Stadt Burghausen an - um leider das Gegenteil zu erleben. Aus mir bis heute unklaren Gründen wurde ich nicht fest übernommen. Bittere Jahre folgten, bis ich mich entschloß, selbst ein Büro zu eröffnen. Dies fiel in die Zeit, als ich gerade meine Promotion abschloß. Die Ergebnisse der Dissertation, das angefallene Material und die guten Kontakte in den Tessin ließen mich aber nicht mehr los und so entschloß ich mich, den Bereich Kunstgeschichte im Auge zu behalten. Glücklicherweise konnte ich zum 250. Todestag von Donato Polli im Januar 1989 meinen ersten Artikel in "Unser Bayern" veröffentlichen. Mein allgemein gut verständlicher Schreibstil, gepaart mit wissenschaftlich fundierten Grundlagen, gefiel der Redaktion und so fand ich hier ein Sprachrohr, das meinen Arbeiten ein interessiertes Publikum und mir wenigstens hie und da einen kleinen Lohn für die Mühen brachte. Es folgte Artikel über Georg Dientzenhofer, die (Freisinger) Malerfamilie Scheffler, die Stukkatorenfamilie Bossi und Conrad Oáner, den fränkischen Barockbildhauer in St. Petersburg und Moskau. Daneben verfaßte ich für den bay. Staatsanzeiger Rezessionen über die Dientzenhoferausstellung im Lokschuppen Rosenheim, die Romantiker - Gemäldeausstellung im Sudetendeutschen Haus in München und den Artikel "Sprung über den Schatten" über die Ausstellung "Marienbild heute" in Altötting.
Eine ganz besondere Freude war mir die Überreichung des Förderpreises der Bayerischen Volksstiftung im November 1992 durch deren Präsidenten Florian Besold im Cuvellier - Theater in München. Dieser Preis öffnet mir häufig die Türen und erleichtert meine Forschungsarbeit in bedeutendem Maße. Ein kleines biáchen Stolz bin ich auch darüber, daß meine Dissertation über Kontakte mit Kardinal Augustin Maier OSB auch in der Vatikanischen Bibilothek steht. Dadurch konnten auch Verbindungen dorthin geknüpft werden, Mithilfe ist zugesagt, leider konnte sie noch nicht ausgenützt werden - ein längerer Rombesuch wartet. Er wird hoffentlich ein gleiches Vergnügen wie meine oftmaligen Besuche bei meinen Freunden im Tessin oder den Teilnahmen an zwei Colloquien in Bellinzona und Mendrisio.
Die Beschäftigung mit der Kunstgeschichte in einer Kleinstadt in Oberbayern kann aber auch die früheren heimatlichen Künstler nicht aus den Augen lassen. Die heimatkundlichen Leitzordner haben zwischenzeitlich die Zahl 40 erreicht. Dabei gibt es aber auch immer wieder Überraschungen, wie z. B. die Bergung eines frühmittelalterlichen Stadtbrunnens/Abfallgrube mitten in der Baustelle der Tiefgarage. Sehr große Freude hatte die Bevölkerung an den "Kunstgeschichtlichen Wanderungen". Die Teilnehmerzahl lag konstant bei etwa 70 Personen, da absolute Maximum an Machbarkeit.
Alles ist aber eine Frage der Zeit und des Geldes. Aber es macht Spaß. Immer wieder gibt es die Möglichkeit, Doktoranden zu unterstützen, jahrelanger Erfahrungs- und Datenaustausch sind die Folge - das Künstlerarchiv beträgt schon 50 Leitzordner. Die Burghauser haben die Qualitäten meiner Gutachten schätzen gelernt, mein Ein - Mann - Büro nährt den Inhaber und seine Familie. Und wenn nachts "in der von Behringstraáe 12" noch ein Licht brennt, "dann hockt er wieder über seinen Künstlern " wie die Burghauser teils lächelnd, teils - durch meinen Artikel zur 600 jährigen Rentamtsfeier in "Unser Bayern" überascht - auch schon anerkennend sagen.